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Claudia Aravena Abughosh

 

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Claudia Aravena Abughosh: The Palestine Project
Die Identität des Werdens
Von Paz Guevara |  September 2006

"The Palestine Project" von Claudia Aravena Abughosh besteht aus drei Teilen: "Beitjala" (Santiago 2003), "Greetings from Palestine" (Santiago und Kassel 2003) und "Out of Place" (Santiago 2005). Als Kind eines chilenischen Vaters und einer palästinensischen Mutter wurde die Künstlerin in Chile geboren. Aus ihren zwei Nationalitäten ergab sich das Grundgerüst für ihr Schaffen.

Der Entstehungsprozess des "Palestine Project"

Beitjala ist die Heimatstadt von Claudia Aravenas Mutter. Wie viele andere palästinensische Einwanderer war ihre Familie in der Bekleidungsindustrie Santiagos tätig und führte im Bezirk Patronato, dem lokalen palästinensischen Handelszentrum, ein Geschäft. Für ihr Werk "Beitjala" interviewte Claudia Aravena Familienmitglieder und andere Ladenbesitzer aus diesem Stadtteil, um mehr über die Vorstellungswelt der nach Chile eingewanderten Palästinenserinnen und Palästinenser zu erfahren – über ihre Erinnerungen, über die Bilder, die sie im Gedächtnis behalten. Später, nachdem sie nach Chile zurückgekehrt war, reiste Claudia Aravena nach Beitjala und erstellte gemäß der Reihenfolge ihres Interviewtagebuchs ein Archiv aus Videobildern, die sie im April 2003 auf die Schaufenster des Geschäfts der Familie Aravena Abughosh projizierte. Drei Tage lang präsentierte man dort statt Schaufensterpuppen und Kleidungsstücken palästinensische Erinnerungsfragmente in Chile.

Claudia Aravena schickte Bilder von einem Gebiet ins andere, z. B. "Greetings from Palestine – from Palestine to Chile" (ausgestellt auf der 6. Biennale für Videokunst und Neue Medien in Santiago) [1] – und nutzte so Postkunst als Genre. Ihr Video besteht aus einer einzigen Einstellung: einer Betonbarrikade in Bethlehem, die errichtet wurde, um den palästinensischen Zugang zu Jerusalem zu blockieren. Aus dem Off ist das Gespräch der Künstlerin mit den israelischen Soldaten zu hören, die diesen militärischen Vorposten bewachen. Der Versuch der Soldaten, die Dreharbeiten der Künstlerin zu verhindern, wird zu einem Pleonasmus der Betonmauer, der Nähe Aravenas zu dieser Mauer und im weiteren Sinne auch ihrer Ankunft in Jerusalem. Eine Endlosschleife des Videos wurde auf Betonblöcke projiziert, wobei sowohl die Nachbildung der Barrikade als auch die endlose Wiederholung einer einzigen Einstellung, die beständige Wiederkehr des Gleichen, als etwas Unheimliches empfunden werden (Freud).

Unter dem Edward Saids Memoiren entliehenen Titel "Out of Place" produziert Claudia Aravena ein Video, das auf Fotografien aus ihrem chilenisch-palästinensischen Familienalbum und zeitgenössischen Illustrierten sowie auf audiovisuellen Aufzeichnungen ihrer arabischen[2] Familie im heutigen Palästina und in Chile basiert. Im Verlauf ihrer Arbeit erforschte sie die Darstellungsprozesse der subjektiven und kulturellen Identität und die Fotografie als Medium. Indem sie ein Schlaglicht auf den Lebensweg und den Anpassungsprozess palästinensischer Einwanderer in Chile wirft, offenbart sie auch den Prozess des Übergangs von einer Kultur in eine andere, zeigt einen dynamischen Identifikationsprozess zwischen beiden. Dieser "Akkulturationsprozess" offenbart sich in der (Nicht-)Übertragbarkeit kultureller Normen von einer Kultur zur anderen, in unvollständigen Erzähllinien und in der hybridisierenden Form des Arbeitens mit dem Medium Video. Im vorliegenden Essay werde ich mich mit diesem Werk unter Bezugnahme auf zwei frühere Arbeiten und deren Kontext im chilenischen und palästinensischen Kunstmilieu beschäftigen.

>> kompletter Text in Englisch

Anmerkungen:

  1. Unter ähnlichen Bedingungen war dieses Werk auch auf dem Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest 2003 zu sehen, wo es mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde.
  2. Catherine David weist in ihren Forschungen zu zeitgenössischen arabischen Darstellungen darauf hin, das der Begriff "arabisch" nicht auf alle Gebiete im Nahen Osten anwendbar ist. So wird beispielsweise Israel nicht als Teil der arabischen Kultur betrachtet. "Islamisch" ist ein weiteres Wort, das benutzt wird, um den Nahen Osten zu kategorisieren; wir werden es jedoch nicht verwenden, da es als ausschließlich religiöser und reduktionistischer Terminus die anderen Religionen der Region, wie z. B. das Christentum, ausschließt. Wenn wir im Text von "arabischer" Kultur sprechen, dann unter Berücksichtigung dieser Ausnahmen. Siehe: Catherine David: Tamáss 1 Contemporary Arab Representations. Beirut/Lebanon und Tamáss 2. Contemporary Arab Representations. Cairo. Fundación Antoni Tàpies. Barcelona 2002, bzw. 2004.


Paz Guevara
Autorin und Kuratorin aus Chile. Lebt in Berlin, Deutschland, und in Lateinamerika.


(Aus dem Englischen: Frank Süßdorf)


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* 1968 Santiago de Chile. Lebt in Berlin, Deutschland.
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