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August 2007 |
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Lamia Joreige: Je d'histoires |
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Das Wetter hier ist großartig, weißt du In Je d’histoires geht es um viele Geschichten. Der Besucher ist eingeladen, aus einer Anzahl von Videobildern, Texten und Musik seine eigene visuelle Geschichte zu bauen. Er bzw. sie wird zum Akteur des narrativen Prozesses, der sich jedes Mal erneuert. Unter den Videos, die zur Auswahl stehen, sind Landschaften, urbane Ansichten von Beirut und gefundenes Super-8-Filmmaterial. Die Texte sind drei Briefe über Liebe und Krieg. Die Musik besteht aus Tonwiederholungen, Melodien und lyrischen Sequenzen. Der Besucher beeinflusst - stört - das Abspielen, weil der von ihr / ihm zusammengestellte Sound während des Betrachtens das Bild auflösen kann. Seine / ihre Präsenz prägt deshalb eine jede Sequenz, die dadurch einzigartig wird.
Er hatte kein Gesicht mehr zum Weinen, die Bomben enthaupteten ihn Obwohl Je d’histoires vor dem israelischen Angriff auf Libanon im Sommer 2006 konzipiert wurde, habe ich nach diesem Krieg neues Material hinzugefügt, wie etwa den Text "Er hatte kein Gesicht mehr zum Weinen", der eine Extrapolation einer Situation ist, die nicht geschah und nicht passieren wird, aber meine persönlichen Beklemmungen und Ängste offen legt. Je d’histoires soll weiter ausgebaut werden. Es werden mehr Videos, Texte und Musik hinzukommen, um die narrativen Möglichkeiten bis zu dem Punkt zu steigern, an dem ich, die Autorin, die Kontrolle über die vielen Szenarien verliere und Raum für "Unfälle" entsteht. Die Idee von Je d’histoires ist in der Kontinuität meines Schaffens verwurzelt, das narrative Möglichkeiten erkundet und über den Gedanken der relativen Wahrheit reflektiert - nur geschieht das dieses Mal mit Beteiligung des Betrachters. Er / sie kann in multiple Szenarien involviert werden. Je d’histoires legt den Prozess des Geschichtenerzählens offen und den Mechanismus, durch den Text, Bild und Musik verbunden werden, um eine Erzählung zu generieren. Es geht darum, wie ein "Ereignis" auf verschiedene Weise wieder und wieder erzählt werden kann. In meinem ganzen Schaffen werfe ich die Frage der Historie und ihrer unterschiedlichen Darstellungsweisen auf. Wie gehen wir an die Geschichte heran? Individuelle Geschichten und kollektive Geschichte. Welches Bild davon halten wir fest? Welches Bild davon werde ich selbst nachbilden? Ich reflektiere über den Prozess der Erinnerung: sich Ereignisse ins Gedächtnis rufen, sie erneut zu inszenieren, Reminiszenzen sammeln, Zeugnisse zusammenstellen und natürlich zu vergessen, was ein wichtiger Teil dieses Prozesses ist, der uns Menschen erlaubt zu überleben. Für mich sind das alles Fragmente einer unbekannten und unerreichbaren Geschichte.
Wir haben Jahre gebraucht, eine gewisse Friedlichkeit wiederzuerlangen Wiederholung ist gewiss eine Möglichkeit, über Zeit zu reflektieren und eine Wahrnehmung der Geschichte als einer nicht-linearen und unvollständigen Narration auszudrücken. Die Szene einer Erfahrung erneut abzuspielen, eine Geschichte durch Erinnerungen, archivierte Dokumente oder fiktive Elemente wiederherzustellen, ist im wesentlichen eine Arbeit über die Zeit: Zeit aufzeichnen, ihre Spuren und Auswirkungen auf uns. Eine Reflexion über unsere Unerbittlichkeit und über unsere Unfähigkeit, die Vorstellung von Zeit zu messen, zu verstehen und zu akzeptieren.
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