Nafas Kunstmagazin Instituts für Auslandsbeziehungen

Nafas  |  Ausstellungen  |  Palästina

Juni 2009

drucken  |  versenden

Palestine c/o Venice

Convento Ss. Cosma & Damiano  / © Copyright: Universes in Universe

 

Khalil Rabah / © Copyright: Universes in Universe

 

Emily Jacir  / © Copyright: Universes in Universe

 

Jawad Al Malhi / © Copyright: Universes in Universe

 

Taysir Batniji  / © Copyright: Universes in Universe

 

Sandi Hilal & Alessandro Petti  / © Copyright: Universes in Universe

 

Shadi HabibAllah

 

 

Palestine c/o Venice ist die erste Teilnahme Palästinas an der Biennale von Venedig.

Der Titel der Ausstellung reflektiert die Umstände, unter denen die Palästinenser in den besetzten Gebieten leben. Das "c/o" (care of... - wohnhaft bei...) bezieht sich darauf, wie Post an einen Adressaten üblicherweise über Dritte zugestellt wird. Der Fall des palästinensischen Postdienstes ist eine Metapher für den Zustand, in dem sich die Palästinenser befinden: mehr als ein Jahrhundert lang funktionierte er "c/o" als Konsequenz der Abfolge kolonialer Mächte und israelischer Besetzung, und in jüngerer Zeit über Nachbarländer.

Die sieben teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler, die mit der Schaffung neuer Werke beauftragt wurden, sind wegen ihres herausragenden Engagements in ihrer Kunst und ihre Fähigkeit, lokale und globale Themen miteinander zu verbinden, ausgewählt worden.

In ihrem Katalogtext schreibt die Kuratorin Salwa Mikdadi u.a.:

"Der Titel der Ausstellung Palestine c/o Venice unterstreicht die chronische Unbeständigkeit, einen Zustand, den die Palästinenser mit kreativem Widerstand überwinden, wenn sie ihren Platz als Kunstschaffende frei von dem politischen Essenzialismus einfordern, den die Repräsentation ihrer Kunst in den Medien definiert. Die persönlichen Erzählungen der Künstler überschneiden sich mit Geschichte und Architektur und ihre Kunst mit den Gemeinschaften in Vergangenheit und Gegenwart. Ihre Debatten schaffen Räume für Aktivismus und soziales und politisches Engagement. (...)

Sandi Hilal & Alessandro Petti radikalisieren die Abwesenheit des Bildes, indem sie durch eine Vielfalt an Gesprächen einen alternativen Raum eröffnen. Khalil Rabahs alternative 'Aktionen' laden die Palästinenser ein, sich in Venedig mit einer Neuverortung des Konzepts von Biennalen innerhalb ihrer lokalen Geographie selbst darzustellen. Beide Kunstprojekte richten sich an die Community, während Emily Jacirs Projekt stazione (2008-2009) eine ortsspezifische Arbeit ist, die sich an alle Besucher der Biennale wendet und diese auf eine tief verwurzelte Beziehung zwischen den Menschen an den verschiedenen Ufern des Mittelmeeres hinweist. Shadi HabibAllahs Humanoide beziehen sich auf universale Themen, indem menschliche Impulse von Populationen überall auf der Welt angesprochen werden. Taysir Batniji abstrahiert den Kunstprozess, wenn er sich auf die Nähe eines weit entfernt liegenden, verwaisten Ateliers und das Vergehen der Zeit bezieht. Jawad Al Malhis eindringliches Panorama der Architektur eines Flüchtlingslagers ist frei von der physischen Präsenz des Körpers und spricht dennoch über das vergessene Anwachsen der Flüchtlingszahlen.

Oft hören oder lesen wir etwas über Palästina, doch selten vernehmen wir die Stimmen der Palästinenser selbst. In Palestine c/o Venice gibt es eine Abwesenheit von Abbildungen der Leute, die uns zwingt, uns auf die Debatte und die Komplexität der Themen zu konzentrieren. Die Abwesenheit des Körpers und jene Abwesenheit, die aus den Werken der Künstler widerhallt, bringen uns dazu, uns selbst in die repräsentierten Räume zu versetzen und den Künstlern und dem Volk von Palästina zuzuhören."

(Weitere Informationen über die Kunstwerke auf den jeweiligen Fotoseiten.)

Der Ausstellung liegen drei strategische Faktoren zugrunde:

1) Sie initiiert Kontakte zu einer Institution in Venedig, um künftige Beziehungen zwischen italienischen und palästinensischen Künstlern zu stärken.
2) Um die Unabhängigkeit und Integrität der Ausstellung zu gewährleisten, war das Sponsoring auf palästinensische Personen und Institutionen beschränkt.
3) Da Palästinenser wegen der Aus- und Einreisebeschränkungen nicht nach Venedig kommen können, finden gleichzeitig Ausstellungen der Kunstwerke in sechs lokalen palästinensischen Kunstinstitutionen statt. Die palästinensischen Ausstellungsorte sind: A.M. Qattan Stiftung, Kunstmuseum der Birzeit Universität, palästinensischer Kunsthof Al-Hoash, Internationale Palästina Kunstakademie, Al Ma'mal Stiftung für Zeitgenössische Kunst und Riwaq Zentrum für Architektonische Konservierung.


Informationen aus Pressemeldungen und Texten des Katalogs:
Palestine c/o Venice
Hrsg. Salwa Mikdadi
Veröffentlicht in Beirut von Mind the Gap
ISBN: 978-9953-0-1464-7

(Aus dem Englischen: Haupt & Binder)


Druckversion  |  Artikel versenden



 

>> Abbildungen
16 Bildseiten

Palestine c/o Venice

Kollaterale Veranstaltung der 53. Internationalen Kunstausstellung der Biennale Venedig

7. Juni -
30. September 2009

Convento Ss. Cosma & Damiano
Campo S. Cosmo
Giudecca Palanca
30133 Venezia

Kuratorin:
Salwa Mikdadi

Kommissar:
Vittorio Urbani

KünstlerInnen:

Jawad Al Malhi
* 1969 Jerusalem; lebt dort.
mehr Infos & Fotos

Shadi Habib Allah
* 1977 Jerusalem; lebt dort.
mehr Infos & Fotos

Taysir Batniji
* 1966 Gaza, Palästina. Lebt in Frankreich und Palästina.
mehr Infos & Fotos

Hilal & Petti
Sandi Hilal: * 1973 Beit Sahour, Palästina
Alessandro Petti: * 1973 Pescara, Italien
Leben in Bethlehem.

mehr Infos & Fotos

Emily Jacir
* 1970 Bethlehem, Palästina. Lebt in Ramallah, Palästina, und New York, USA.
mehr Infos & Fotos

Khalil Rabah
* 1961 Jerusalem; lebt in Ramallah.
mehr Infos & Fotos


Siehe auch:

Palestine c/o Venice
Offizielle Website mit weiteren Infos, Symposium, Veranstaltungen, Katalog

Biennale Venedig 2009
Informationen und Fototour, Universes in Universe - Welten der Kunst


Palästina: Artikel
im Nafas Kunstmagazin

Palästina: Künstler
in Nafas und UiU


Landkarte

Palästina: Landkarte

Nafas  |  Ausstellungen  |  Palästina

© Alle Rechte vorbehalten

UiU - home  |  email  |   editorial, impressum  |   newsletter  |   suche