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Kurzmeldungen & Tipps

Hilferuf von Künstlern aus Tunesien
Bitte um Unterstützung, Online-Petition
Juni 2012

Als die internationale Presse am 11. Juni über heftige Unruhen in Tunesien berichtete, hieß es, Proteste gegen eine Kunstausstellung seien der Auslöser gewesen. Damit war "Printemps des Arts" (Frühling der Künste) in La Marsa, einer Stadt nahe Tunis, gemeint. Weitaus weniger beachtet von der Weltöffentlichkeit setzen sich die Aggressionen gegen daran beteiligte Künstler bis heute fort - bis zu öffentlichen Aufrufen, sie zu ermorden.

Am 17. Juni veröffentlichte das Collectif tunisien pour l’art, la culture et les libertés im Internet eine Resolution und wandte sich mit der Bitte um Unterstützung an Organisationen, Institutionen und Personen in aller Welt. Darin sind die Ereignisse seit der Schließung der Ausstellung aus der Sicht des Collectif zusammengefasst (in Französisch und Englisch).

Der Konflikt begann erst am letzten Tag der zehntägigen Kunstmesse (1. bis 10. Juni), als sich Besucher über den ihrer Meinung nach blasphemischen Charakter von Kunstwerken empörten und den Veranstaltern juristische Konsequenzen androhten. Über die Ursachen der schnellen Eskalation gibt es in den Medien unterschiedliche Versionen und Interpretationen. Tatsache ist, dass in der Nacht darauf eine große Gruppe Salafisten das Palais Abdellia stürmte, Kunstwerke zerstörte und den Veranstaltungsort verwüstete. Über Tunis hinaus kam es zu blutigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

In den folgenden Tagen heizten Fundamentalisten die Wut auf die Künstler an. Als Belege der vermeintlichen Gotteslästerung verbreiteten sie via Facebook zusammenmontierte Bilder von Kunstwerken, die in der Ausstellung überhaupt nicht zu sehen waren. Ebenfalls auf Facebook und in anderen sozialen Netzwerken veröffentlichten sie Namen und Fotos beteiligter Künstlerinnen und Künstler und forderten zu deren Tötung auf. Einige von ihnen wurde auch persönlich bedroht.

Die Vertreter der Künstler warfen dem Kulturminister vor, statt sie zu verteidigen und sich um eine Lösung des Konflikts zu bemühen, diesen noch weiter anzuheizen und sie dem Mob auszuliefern, indem er solche Äußerungen von sich gab wie "es genügt, wenn Kunst schön ist, sie sollte nicht revolutionär sein, sie sollte hübsch sein" und einige der ausgestellten Werke selbst als blasphemisch bezeichnete.

Die vom Collectif tunisien pour l’art, la culture et les libertés veröffentlichte Resolution ruft dazu auf, internationalen Druck auf die Regierung auszuüben, damit sie "die Freiheit der Meinung, des Schaffens, des Ausdrucks sowie das Leben von Künstlern schützt".

>> siehe die Petition
mit der Möglichkeit, sie online zu unterzeichnen

Weitere Informationen in englischer Sprache
sind in Tunisia live zu finden:

In Photos: Printemps des Arts
Fotos von Rabii Kalboussi, 2. Juni 2012

Police Called to Contemporary Art Exhibition Following Confrontations
Von Adam Le Nevez, 10. June 2012

Artworks and Property Vandalized During A Night of Tension in Tunis
Von Adam Le Nevez und Ikram Lakhdhar, 11. Juni 2012

Angry Artists Respond to Attacks With Protest in Front of Ministry of Culture
Von Ikram Lakhdhar,13. Juni 2012

Union of Tunisian Artists Calls for Minister of Culture to Resign
Von Ikram Lakhdhar, 15. Juni 2012

Chairman of Zitouna Mosque Banned from Preaching Following Incitement to Murder Artists
Von Afifa Ltifi, 16. Juni 2012


(Zusammengestellt aus mehreren Quellen: Haupt & Binder)


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Online-Petition mit Bitte um Unterzeichnung,
veröffentlicht am 17. Juni 2012 vom
Collectif tunisien pour l’art, la culture et les libertés

 

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